Wofür gehst du eigentlich zur Schule?

Wofür gehst du eigentlich zur Schule?

Diese Frage stelle ich regelmäßig in meinen Oberstufenkursen, besonders zum Jahreswechsel oder zum neuen Schuljahr. Überraschenderweise haben wenige Schüler eine Antwort und die meisten kommen stattdessen ins Nachdenken: „Ja, wofür gehe ich eigentlich zur Schule? Ich muss ja hin, hilft alles nichts.“ „Ich will Abitur machen, ohne Abitur ist man heute gar nichts.“ „Sonst weiß ich nicht, was ich machen soll, und wir bekommen so noch das Kindergeld.“ Und manchmal kommt die Rückfrage: „Ist das denn wichtig?“

Es zeigt sich also, dass einige Schüler eher planlos zur Schule gehen. Die gymnasiale Oberstufe ist jedoch keine Pflicht, im Gegenteil: Die Entscheidung, nach der 10. Klasse weiterzumachen, ist freiwillig und nur eine Option von mehreren. Das Argument, man müsse ja kommen, ist also falsch. Und zugleich stimmt es, denn für das Abitur muss die Schule zu Ende gemacht werden. Der Unterschied zwischen diesen beiden Aspekten ist, dass der Schulbesuch für das Abitur eine Bedingung ist, die erfüllt sein muss. An sich muss niemand nach der 10. Klasse zur Schule gehen, auch wenn es sich für die meisten anders ,anfühlt‘.

Für diejenigen, die das Abitur oder die Fachhochschulreife nennen, gibt es weitere Fragen: Wofür willst du das (Fach-)Abitur haben? Und mit welchem Notendurchschnitt? Auch hier gibt es eine Gruppe, die für sich eine spezifische Antwort hat und eine, die sich das Zeugnis grundsätzlich erstmal sichern will – wofür auch immer, alle Optionen offen halten!

Ist das denn wichtig?

Jede Absicht ist grundsätzlich gleich gültig. Und sie hat Einfluss darauf, ob du deinen gewünschten Abschluss überhaupt bekommst oder nicht! Wenn du herausgefunden hast, was du beruflich machen möchtest, dich auf ein Ziel festgelegt hast und du über das Ziel inspiriert bist, ist es montags morgens wesentlich leichter, aufzustehen und am Wochenende für Klausuren zu lernen. Ganz nebenbei hast du, wenn du dich festgelegt hast, häufig bessere Noten. Du hast weniger Widerstand gegen das, was in der Schule verlangt wird. Du hast allgemein bessere Gefühle, was die Schule angeht und machst eher selten andere dafür verantwortlich, wenn etwas nicht gut läuft. All das, weil du weißt, wofür du diesen Weg gewählt hast. Es ist auch völlig egal, ob du Schüler bist, Azubi, Student oder bereits arbeitest. Dieses Thema wird dich immer begleiten, bei dem, was du tust. Du kannst z.B. deine Eltern nach ihrer Absicht fragen, mit der sie zur Arbeit gehen. Könnte ein interessantes Gespräch werden!

Jetzt könntest du einwenden, dass du einfach nicht genau weißt, was du später machen möchtest und die anderen wohl Glück haben, weil sie es wissen. Wie kannst du das für dich herausfinden? Eine Möglichkeit ist folgende: Wenn du nicht für Geld arbeiten würdest, was würdest du machen wollen? Wenn du nichts über dich beweisen müsstest, was würdest du dann beruflich tun wollen? Welche Voraussetzungen sind dafür nötig und wie kannst du sie erfüllen?

Zielformulierung trainieren

Daraus kannst du ein konkretes Ziel ableiten, das du mit dem Schulbesuch erreichen möchtest. Ist das Abitur für deine Wunschtätigkeit notwendig oder kämst du eher ans Ziel mit Fachabitur und Jahrespraktikum? Könntest du auch ohne die gymnasiale Oberstufe beginnen und dich in deinem Beruf weiterbilden? Gibt es einen Notendurchschnitt, der mindestens erfüllt sein muss und gibt es andere Kriterien, die du einbringen kannst? Welcher Notendurchschnitt ist für dich realistisch und mit Commitment erreichbar? An dieser Stelle solltest du dich nicht überfordern, damit du Hürden auf dem Weg leichter nimmst.

Bei der Formulierung von Zielen kannst du außerdem hilfreiche Kriterien beachten. Grundsätzlich nimmst du erstmal an, dass du das Ziel bereits erreicht hast, du formulierst es also in der Gegenwart und in der Ich-Form. Es sollte messbar sein und mit einem Datum versehen werden. Die oberste Regel sollte jedoch sein, dass du inspiriert darüber bist, sonst nützt dir die tollste Formulierung nichts! Hier mögliche Beispiele: „Ich erreiche im Juli 2019 das Abitur mit einem Notendurchschnitt von 2,8.“ „Ich habe im Februar 2019 einen Notendurchschnitt von 3,2 auf meinem Halbjahreszeugnis der 11. Klasse.“ Auch Zwischenziele lassen sich so deklarieren: „Ich lerne ab sofort täglich 10 Minuten Französischvokabeln mit der Vokabelapp.“ „In der Matheklausur am 10.3.2019 schreibe ich eine 1.“ usw.

Mit der dahinterliegenden Absicht, wofür du dieses oder jenes Ziel erreichen möchtest, gelingt dir dies leichter. So bist du wieder verantwortlich für deine Ergebnisse und nicht die anderen. Apropos die anderen: Wenn du dir für einzelne Fächer eine Note als Ziel gesetzt hast, kannst du deine Fachlehrer fragen, was du dafür tun musst. So wissen sie, was du vorhast, was dich wiederum darin bestärkt, auch wirklich loszulegen. Viel Erfolg und Spaß bei der Umsetzung!

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