Beziehungsgestaltung fängt bei uns selbst an: Selbstfürsorge für LehrerInnen

Beziehungsgestaltung fängt bei uns selbst an: Selbstfürsorge für LehrerInnen

Wenn ich nicht für mich sorge, geht es mir nicht gut. Ich habe schlechte Laune, bin kurz angebunden, kann mich nicht auf Andere einlassen. Am liebsten will ich alleine sein. Jedes umgekippte Wasserglas meiner eigenen Kinder oder die kleinste Unruhe in der Klasse passen mir nicht und ich rege mich auf, wo ich sonst gelassen bin. Das Interessante dabei ist, dass ich mit meinem Verhalten auch bewirke, dass ich allein bin, denn darauf hat keiner Lust. Meine Kinder sind dann lieber ohne mich und auch in der Schule ist die Genervtheit und der Rückzug der SchülerInnen spürbar.

Oft habe ich dann den Anspruch, dass die Anderen meine Laune wieder heben müssten. Obwohl ich weiß, dass das Quatsch ist. Zum Glück merke ich schnell, dass das nicht funktioniert. Wenn ich das denke, bin ich nämlich ein Fass ohne Boden: Alles dreht sich um meinen Bauchnabel, meine Befindlichkeiten und Bedürfnisse. Und wann sollen die Anderen wissen, wann es genug ist?

Selbstfürsorge in der Schule und im Homeoffice

Das weiß nur ich. Ich bin auch diejenige, die ihren Akku wieder füllt, das kann niemand Anderes. Das lerne ich besonders, seitdem ich Mutter bin. Aber natürlich ist das auch ohne eigene Kinder eine große Herausforderung in unseren Schulen. Im normalen Alltag hetzen wir von Klasse zu Klasse, kommen unregelmäßig zur Toilette oder zum Essen und sind ständig in Kommunikation mit irgendwem. Da zählt jede kleine Pause. Selbstfürsorge ist nötig, wenn wir in diesem Alltag nicht untergehen wollen.

Und selbst, wenn wir von zuhause aus arbeiten und seltener in der Schule vor Ort sind, ist das Thema ‚Selbstfürsorge‘ präsent. Dann verschwimmen schnell die Arbeitszeiten, wenn wir sie nicht aktiv begrenzen, und auf einmal arbeiten wir ständig. Auch das ist für alle Familienmitglieder nervig. Mein Bedürfnis nach Ruhe wurde nahezu täglich größer beim Händeln von Familie, Schule und Schwangerschaft. Und auf einmal hatte ich ein ärztliches Beschäftigungsverbot. Daher ist eine Erkenntnis aus diesen letzten Wochen: Mein komplettes Beschäftigungsverbot dient allen, auch wenn ich erstmal meinen SchülerInnen und Kolleginnen gegenüber ein schlechtes Gewissen hatte. Ich lerne.

Es ist also für uns alle wichtig, selbst für das Laden unseres Akkus zu sorgen. Nur so können wir auch für Andere da sein. Dafür gibt es ganz verschiedene Ansätze, von denen ich heute zwei vorstellen möchte: Einen klasse Podcast und einen besonderen Lehrerkalender!

Wieso lassen wir es überhaupt zu, dass unser Akku leerer wird?

Interessant an dem Thema ‚Selbstfürsorge‘ und ‚Achtsamkeit‘ ist, dass wir theoretisch ganz genau wissen, wie es geht. Und doch setzen wir Vieles nicht um. Wichtig ist daher vorher noch eins:

Wieso lassen wir es überhaupt zu, dass unser Akku leerer wird, bis er im „extreme modus“ ist? Über längere Zeit grenzen wir uns nicht von unserer Umwelt ab und geben viel Energie in etwas hinein. Selbst wenn wir davon wieder einen Gewinn haben, wie z.B. eine schöne gemeinsame Zeit mit den eigenen Kindern oder Schülern, brauchen wir ab und an eine Pause. Oft verlieren wir schneller Energie und arbeiten uns an etwas ab, wenn die Bedingungen für uns ungünstig sind oder wir die Bedingungen doof finden. Wie z.B. das dauernde Zusammenhocken in der Wohnung oder der Präsenzunterricht im Wechsel mit Lernen auf Distanz.

Dann gibt es zwei Lösungen: Entweder ändere ich die Bedingungen oder ich ändere meine Haltung in Bezug auf die Bedingungen (was nicht heißt, sich etwas schön zu reden). Was würdest du sagen, trifft bei dir zu? Also ganz ehrlich, kannst du die Bedingungen WIRKLICH nicht beeinflussen? Das Aufeinanderhocken in der Wohnung konnte ich z.B. ändern, sodass es uns Allen besser geht, wenn wir unterwegs sind. Und wenn ich mich mit der Babykugel hinlegen möchte, schauen wir eben eine Folge der aktuellen Lieblingskinderserie mehr: so what! Den Präsenzunterricht mit Abstandsregelung kann man nicht ändern. Von welchen unumstößlichen didaktischen Leitsätzen könnten wir uns in dieser Zeit verabschieden? Denn wenn wir lediglich unserer Trauer darüber Ausdruck geben, wie blöd die Abstandsregelung im Unterricht ist, ist unsere Zeit auch eher unschön.

Selbstfürsorge heißt auch ‚Nein‘ zu sagen

Wenn wir uns von unserer Umgebung abgrenzen, äußert sich das auch in einem ‚Nein‘ zu etwas. Doch oft gehen wir über unsere Grenzen hinaus, obwohl wir eigentlich ‚Nein‘ sagen möchten. Wozu tun wir das? Dazu fällt mir folgendes Zitat ein:

Wer nicht ‚Nein‘ sagt, will kein ‚Nein‘ hören.

Stephan und Maria Craemer

Wir gehen also auch beim Anderen davon aus, dass er über die eigenen Grenzen hinausgeht. Für uns. Nach dem Motto: ‚Wenn ich das nicht abgelehnt habe, darf xy mein Anliegen jetzt auch nicht ablehnen!‘ Wenn der Andere dann doch ablehnt, sind wir beleidigt. Oder ärgern uns, dass wir nicht ehrlich waren und von vornherein ‚Nein‘ gesagt haben. Dieser geheime Deal funktioniert eben nicht.

Das Ergebnis davon, wenn wir uns dauerhaft nicht abgrenzen, kennen wir ja. Dann sagt irgendwann unser Körper ‚Nein‘ oder unsere Psyche. Das ist hierzulande eine akzeptierte Begründung, etwas abzulehnen. „Du hast Migräne? Gar kein Problem, dass du die Stunde nicht übernehmen kannst.“ Wenn wir gesund und ohne Beschwerden ‚Nein‘ sagen, denken wir, wir würden abgelehnt. Doch können wir auch abgelehnt werden, weil wir nicht ‚Nein‘ sagen! Dann lehnt mich vielleicht nur ein Anderer ab. Es geht also darum, zu erkennen: Was will ich? Was ist mir wichtig? Wie halte ich das auch präsent, wenn es trubelig wird? Wo sind kleine Pausen für mich drin?

Selbstfürsorge trainieren

Der Podcast ‚die kleine Pause‘

Nun kommen wir zu ein paar Möglichkeiten, wie wir das trainieren können. Zuerst habe ich eine Podcastempfehlung für dich. Wenn du Martina Schmidt noch nicht kennst, stelle ich sie dir kurz vor: Sie ist Grundschullehrerin, Fachleiterin, Moderatorin in der Lehrerfortbildung und vor allem: Pausenexpertin! In ihrem Podcast „die kleine Pause“ teilt sie schon seit Längerem ihr Wissen mit ihren HörerInnen. Mir gefällt dabei, dass sie aus verschiedensten Blickwinkeln das Thema ‚Lehrergesundheit‘ angeht und dadurch einen echten Mehrwert bietet. Sie hat ein Pausen-Einmaleins für dich parat, interviewt Expertinnen und öffnet ihren eigenen Methodenkoffer. Höre gerne rein und verbinde dich mit ihr auf Instagram.

Der Lehrerkalender von Lebenskompass

Eine schöne Verbindung von Tagebuch und klassischem Terminkalender habe ich beim Lehrerkalender von Lebenskompass entdeckt. Ich habe für dich ein Exemplar getestet und kann vorwegnehmen, dass ich diesen Kalender für das nächste Schuljahr sehr empfehle, wenn du dich weiterentwickeln willst!

Was unterscheidet den Kalender von denen, die ich bisher verwendet habe? Erstmal dachte ich beim Auspacken: „Der ist ja chic!“ Obwohl er im DINA4-Format recht groß ist, erscheint er mir nicht wuchtig. Im Gegenteil, durch das Buchcover hat er etwas Besonderes, das ich gerne in die Hand nehme. Es gibt all die Seiten, die wir LehrerInnen brauchen:

  • Stundenpläne,
  • wichtige Kontakte,
  • Jahres- und Wochenübersicht,
  • Listen,
  • Ferientermine.

Es gibt eine Seite mit zwei Stundenplänen – zumindest an meiner Schule bräuchte ich mindestens doppelt so viele, weil sich regelmäßig etwas ändert. Da wäre eine Seite mehr also gut.

Daneben findest du einige hilfreiche Seiten, die zur Selbstreflexion und praktischen Umsetzung einladen. Du startest mit deinen persönlichen Zielen für das Schuljahr und kommst beim Umblättern direkt zur ersten von vier Achtsamkeitsübungen – und immer gibt es genug Platz für eigene Notizen. Erst danach kommt die konkrete Jahresübersicht und das finde ich passend: Selbstfürsorge, Achtsamkeit, Selbstreflexion sind keine Anhängsel in unserem (Berufs-)Alltag, sondern geben ihm umgekehrt erst die Ausrichtung.

Inspirierende Zitate zwischendurch

Achtsamkeitsübungen an der richtigen Stelle

Deshalb gefällt es mir auch gut, dass es für jeden Monat eine eigene Übersicht gibt, inklusive Platz für den Rückblick auf den letzten Monat und die Zielsetzungen für diesen: Was sind meine Learnings und Highlights gewesen? Welche Ziele und Prioritäten setze ich mir jetzt? Und bevor du die Wochenübersichten aufschlägst, gibt es erstmal eine weitere Achtsamkeitsübung, übrigens auch zum Abgrenzen und ‚Nein‘ Sagen. Die Aufteilung finde ich spitze.

Monatsübersicht mit Reflexion und Zielen

Ich bin jemand, der sich alles Mögliche notiert, damit ich nicht ständig darüber nachdenke. Ich bin der Kritzel-Typ 😉 Deshalb ist für mich der Anhang mit einer ‚geliehen/verliehen‘-Liste, einer Tabelle für Vertretungsstunden und Ausfallstunden sehr hilfreich. Der Planer hat hinten noch einige Seiten für Notizen frei, sodass ich wirklich rundum zufrieden mit ihm bin. Du investierst 24.99€, was zunächst viel erscheint, aber in meinen Augen das Geld wert ist. Mein kostenfreies Testexemplar im Design ‚Funkelnacht‘ ist eine von fünf Varianten.

(Dieser Artikel enthält unbezahlte Werbung)

Mich interessiert: Welchen Weg gehst du, um auf dich selbst zu achten? Was war in den letzten Wochen deine größte Erkenntnis in Bezug auf Selbstfürsorge?

Deine Ann-Marie

P.S.: Hier habe ich einen Basis-Artikel zum Thema ‚Bedingungen‘ geschrieben.

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