Wieso bist du Lehrer*in?

Wieso bist du LehrerIn

Ich saß während meines Studiums in einer Pädagogik-Vorlesung und mein Professor fragte sein Publikum: Wieso wollen Sie in erster Linie Lehrer*in werden? Die Antworten wurden auf kleine Zettel notiert, eingesammelt und zum Teil von ihm vorgelesen. Ich hörte Gründe wie ‚Vereinbarkeit von Familie und Beruf‘, ‚Beamtenstatus‘, ‚Ferien‘, ’sichere Rente‘ (genau, bevor man jemals gearbeitet hat) oder ‚A13‘. Spätestens bei ‚A13‘ stieg ich aus: Ich wusste gar nicht, was das ist…Bis mir jemand erklärte, dass das die Gehaltsstufe an Gymnasien und Gesamtschulen ist.

Ich wusste zwar, dass der Lehrerjob gut bezahlt ist, meine Gehaltsstufe oder den genauen Verdienst konnte ich mir aber tatsächlich auch später nie merken, denn das war mir nicht wichtig. Scheinbar ging das aber der Mehrheit der Student*innen anders. Ehrlichgesagt würde ich den Job des Geldes wegen nicht machen, dafür wäre er mir zu anspruchsvoll; Und Karrierestufen sind eher ein Witz an Mehrverdienst im Gegensatz zur steigenden Verwaltung und Verantwortung. Klar, der Verdienst ist sicher und anfänglich auch eher hoch. Dafür bleibt er immer auf einem ähnlichen Niveau.

Was den Beamtenstatus betrifft: Würdest du den Beruf auch machen, wenn alle Angestellte wären? Daran ist gut ablesbar, wie ausschlaggebend das eigene Sicherheitsdenken ist.

‚It’s not all about me!‘

Ich fand es schon komisch, wie wenige Mitstreiter den Lehrerberuf hauptsächlich machen wollten, weil sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und ihnen etwas vermitteln wollen (auch wenn natürlich immer mehrere Gründe hinter einer Berufswahl stehen). Mich wundert es nicht, dass wohl auch deshalb so viele schlechte, ungeeignete Lehrer*innen unterwegs sind. Es gab nämlich noch einen anderen Grund, der in der Vorlesung genannt wurde: ‚Weil ich nicht weiß, was ich sonst machen soll‘ (!). Ich bete, dass diese Person das noch herausgefunden hat, denn unter solcher Absichtslosigkeit leiden Kinder nur.

Es geht bei den oben genannten Motiven um die Leute selbst. In ihrem sehr inspirierenden Buch „Lob den Lehrer*innen – Wer Beziehungen stärkt, macht Schule gut“ beschreibt Ulrike Kegler die Lebensweisheit ‚It’s not all about me!‘ als eins von vier Erkennungszeichen für gute Lehrer*innen:

Interessiert sich die Person in erster Linie für die Kinder oder Jugendlichen, oder sucht sie eine Bühne zur Selbstdarstellung?

Ulrike Kegler (2018) S. 159

Solche manchmal durchaus beliebten Lehrer*innen „fühlen sich von den Schüler*innen häufig gestört, aber sie führen sie nicht“.

Was ist dein Beitrag?

Günstig für ein erfülltes Lehrerdasein ist eine Absicht, die über das eigene Wohl hinaus geht. Dann geht’s nicht mehr um mich, sondern um den Beitrag, den ich leisten kann und das ist sinnstiftend. Worin besteht dein Sinn des Lehrerseins? Meiner liegt darin, dass die Kinder und Jugendlichen Erfolg haben. Was für jeden und jede Erfolg bedeutet, finden wir dann gemeinsam heraus (fachliches, persönliches, soziales Ziel?) und ich befähige sie dazu, das Ziel zu erreichen. Manchmal klappt das, manchmal nicht. Es gibt auch Kurse, da klappt es nur vereinzelt. Alle Schüler*innen haben ja auch jeweils eine eigene Absicht. Ihr Erfolg ist jedenfalls meiner. Das wäre doch mal ein Werbespruch für eine Werde-Lehrer-Kampagne! 😉

Wenn du dich öfter fragst: „Wofür mache ich das hier eigentlich?? Ich gebe viel und kriege nichts zurück, weder von den Kindern noch von Kollegen oder Schulleitung.“ Was sollten dir die anderen denn geben? Aufmerksamkeit, Anerkennung, Liebe, Freundschaft, Danksagungen? Was auch immer es ist, den Mangel bringst du selbst schon ein, weil andere einen Ausgleich geben sollen. Da gilt es erst bei dir zu schauen, statt bei den anderen. Manchmal ist die Schule aber auch einfach nicht deine und du könntest die Möglichkeit einer Versetzung in den Blick nehmen. Deine Schüler*innen kriegen es jedenfalls immer mit, wieso du diesen Beruf machst. Das kannst du nicht verstecken. Wäre doch mal ein Experiment wert, sie zu fragen, aber nur wenn alle Ideen erlaubt sind.

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2 Kommentare

  1. Hallo,

    mein ehemaliger Nachbar sagte mir, dass er eigentlich Architektur (wie ich) studieren wollte, aber sein Abitur zu schlecht dazu gewesen sei (N.C. 2,3). DAnn hätte er halt Lehramt studiert.

    Gruß

    Ursula

    1. Liebe Ursula,
      ein Lehramtsstudium scheint manchen Menschen besser als nichts zu sein. Obwohl doch viele von ihnen genau solche Lehrer hatten, die eigentlich woanders gut aufgehoben wären.

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