Hallo und Tschüss! – Wertschätzend bei Begrüßung und Abschied

Wertschätzend bei Begrüßung und Abschied

Wenn ich bei Jesper Juul und Anderen von Beziehungskompetenz lese, frage ich mich manchmal, was das konkret bedeutet. Ich werde also auf dem Blog kleine Situationen aus dem Schulalltag aufgreifen, in denen wir Wertschätzung einbringen können. Heute geht’s um die Begrüßung und Verabschiedung im Unterricht.

Mit welchem Satz beginnst du deine Unterrichtsstunden? Ist es immer der gleiche? Oder machst du spontan das, was passt? Ist es vielleicht die Tageszeit „Guten Morgen!“? Oder eine Begrüßung wie „Salvete!“ ;)? Macht es einen Unterschied, ob du schon vor den Schülern im Raum bist oder ob du nach ihnen den Raum betrittst? Ist dir das bei den Großen weniger wichtig als bei den Kleinen?

Ist doch nur eine Begrüßung?!

Vielleicht bist du der Meinung: Ja gut…ist halt auch nur eine Begrüßung! Ich finde, meine Begrüßung ist Ausdruck von Wertschätzung den Schülern gegenüber. Mir fiel dabei in der Vergangenheit auf, dass ich öfter zu den Großen sagte: „So, dann wollen wir mal!“, besonders dann, wenn ich schon im Raum gewesen war, als alle eintrudelten. Da war das normale „Hallo, guten Morgen!“ bei jedem Türöffnen schon mehrfach gefallen. An unserer Schule gibt es (glücklicherweise!) keinen Gong mehr, sodass alle selbst entscheiden, was das Startritual ist. Mit meiner Einleitung war ich nicht sehr zufrieden…mir fiel aber auch nichts Besseres ein.

Mittlerweile überlege ich, wie ich Wertschätzung im Schulalltag ausdrücken kann, ohne dass es gleich allen peinlich ist. Denn das ist spannend: Schüler erwarten oft schon gar nicht mehr, dass Lehrer etwas ehrlich Nettes von sich geben. Und ich meine damit keine Hundeleckerlis à la „Heute habt ihr ganz toll mitgemacht!“. Ich kam also auf folgende Begrüßung: „Schön, euch zu sehen!“ Der Satz geht doch für alle Altersklassen, oder?

Wie geht’s den Schülern, wie geht’s mir?

Die Reaktion der Schüler sagt oft etwas über ihre Situation aus. Vor oder nach Klausuren ist oft schon die Luft raus, nach einer Pause hingegen sind die Gesichter fröhlicher. Montags ist die Stimmung gedämpfter als freitags. Mir wurde sogar schon unterstellt, ich hätte etwas genommen, weil ich unabhängig von Wochentag und Uhrzeit vergleichsweise guter Stimmung bin. Aber auch das empfinde ich als meine Verantwortung.

Und natürlich gibt es Tage, an denen ich vielleicht besorgt oder verärgert bin. Passiert. Dann ist die Frage: Was mache ich damit? Ich könnte das z.B. zu Beginn transparent und deutlich machen, dass es nichts mit ihnen zu tun hat. Unprofessionell, weil gefühlsduselig? Ich glaube nicht. Solange das die Ausnahme ist und ich damit nicht bezwecke, dass sich bloß alle benehmen sollen, finde ich das ok. Wir sollten weder unsere eigenen Kinder noch Schüler mit unseren Gefühligkeiten herumschleudern, weil sie das überfordert. Jedoch die Existenz von Gefühlen zu verleugnen, ist Quatsch. Wie siehst du das?

Begrüßung für Klassenzusammenhalt

Bei jüngeren Klassen in der weiterführenden Schule ist immer noch beliebt, dass alle Kinder aufstehen und im Chor ein eingeübtes „Guuuuuten Moooooorgen Frau Backmann!“ trällern. Alle Aufmerksamkeit ist dann im Moment, das ist gut für den Start. Gleichzeitig finde ich es auch old school, aber die Kleinen haben dabei oft Spaß. Großartig fand ich ein Ritual in einer Vertretungsstunde, wo die Kids im Rhythmus in Hände und auf Tische geklatscht haben. Sie waren sehr stolz auf ihren Klassen-Groove! Eine Möglichkeit ist also, durch die Begrüßung Identität und Klassenzusammenhalt zu schaffen. Und vielleicht hast du schon eine solche Begrüßung hier gesehen? Finde ich super, besonders wie der Lehrer es am Ende kommentiert.

Kleine und große Abschiede

Genauso wichtig wie der Start ist auch der Abschied. Beendet der Gong deine Stunden? Was gibst du den Schülern häufig mit auf den Weg? Gibst du noch schnell eine Aufgabe auf oder findest du wertschätzende Worte, bevor alle ihre Taschen zusammen suchen? Natürlich gibt es alle Varianten im Schulalltag; welche möchtest du etablieren? Vielleicht hast und nimmst du dir noch den Moment, um ein oder zwei Schülern vorm Rausgehen eine Rückmeldung über ihren Lernprozess und Fortschritt zu geben? Das kann z.B. sein: „Dein Argument hat unserem Gespräch eben eine ganz andere Richtung gegeben! Ist dir das auch aufgefallen?“ oder „Heute fiel es dir offenbar ganz leicht, mit Lena zusammen die Aufgabe zu machen. Ist das so?“

Neben den täglichen Verabschiedungen gibt es auch die großen Abschiede. Einer war ein ganz besonderer für mich. Bevor ich in den ersten Mutterschutz ging, stand die letzte Stunde in meiner eigenen 7. Klasse an. Klassenlehrer wissen, was ich meine! Zuvor hatte ich mir für jeden und jede zwei oder mehr Eigenschaften überlegt, die ich an ihnen schätze. Ganz unabhängig davon, was sie in welchem Fach leisteten, sondern was sie in meinen Augen individuell machte.

Schön, dass du da bist!

Bei einigen fielen mir schnell mehrere Eigenschaften ein, bei wenigen habe ich länger überlegt. Das sagt erstmal nur etwas darüber aus, welche Eigenschaften mir näher liegen. Und trotzdem war das eine wunderbare Übung, bei jedem genau hinzuschauen und nicht zu bewerten. Auch wenn mir manches Verhalten nicht immer gefällt, mag ich doch alle meine Schüler. Das zu erkennen, war großartig!

Ich schrieb also 28 kleine bunte Karten, z.B.: „Danke für dein großes Herz und deinen Forscherdrang!“ Für alle gab es ergänzend: „Schön, dass du da bist! Bis bald!“ Viele Eigenschaften kamen da zusammen. Es war ein Fest zu sehen, wie sich ausnahmslos alle über ihre Karte freuten und stolz waren. Viele wollten sie vorlesen, um sie mit den anderen zu teilen. Dabei haben wir besprochen, was Loyalität bedeutet und was Commitment ist.

Ihr Lieben, falls ihr das lest: Jetzt seid ihr schon in der 10. Klasse und es sind mit Sicherheit bei jedem von euch neue Eigenschaften hinzu gekommen! Davon kann ich mich ja bald wieder selbst überzeugen 😉

Was würdest du sagen, was deine Schüler ganz unabhängig vom Mitmachen im Unterricht ausmacht? Und wie könntest du es ihnen sagen?

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