Der Schulfrieden ist bedroht!

Der Schulfrieden ist gestört!

Sätze wie diesen äußern PolitikerInnen gerne vor einer Wahl. Meistens wollen sie damit den Schulfrieden wiederherstellen, indem keine weitere Reform über das System ausgegossen werden soll. Alles soll bitte so bleiben, wie es ist, keine Kinder mehr Versuchskaninchen wie bei G8 oder G9 sein. LehrerInnen sollen sich nicht in neue Lehrpläne eindenken oder mit zig neuen Lehrbüchern arbeiten müssen. Ruhe, ja, Ruhe wollen wir!

Ein anderer Zusammenhang, in dem es um Schulfrieden geht, taucht bei Problemen mit SchülerInnen auf: Sogenannte Disziplinarkonferenzen werden einberufen, wenn diese z.B. den Schulfrieden stören. Ich diskutiere hier nicht, dass manches Verhalten nicht angebracht ist und Lösungen dafür gefunden werden müssen. Aber die offizielle Wortwahl suggeriert, dass alles seinen gewohnten Gang gehen könnte, WENN nicht dieses Kind den Frieden stören würde. Es ist die Systemperspektive, die vom Einzelnen Anpassung fordert. Dass es auch andersherum sein könnte, tritt dabei völlig in den Hintergrund. Inwiefern könnte das bisherige Schulmodell nicht zu Kindern passen?

Frieden als Abwesenheit von Krieg

Genauer betrachtet, bezeichnet Schulfrieden in diesem Sinne eigentlich nur die Abwesenheit von Krieg. So wie Gesundheit für viele lediglich die Abwesenheit von Krankheit ist. Frieden ist dann Ruhe, Stillstand, Dienst nach Vorschrift, Regeln, Gehorsam, angepasstes Rollenverhalten…das System ‚Schule‘ funktioniert. Veränderung und Weiterentwicklung stellen in einem solchen Denken eine Bedrohung dar. Es ist wohl kein Zufall, dass interne Schulentwicklungsgruppen sich häufig im Kreis drehen und sich eher tot diskutieren als Ergebnisse zu erschaffen. Es fehlt die Zustimmung für Neues, weil im Kern alles so bleiben soll wie es ist. Im Krieg herrscht Chaos, fehlende Kontrolle, Zerstörung, sogar Anarchie. Das will keiner in Schulen haben.

Schulen sind zwar bürokratisch organisiert ist, sie sind für mich jedoch keine Behörden, weil wir keine Akten bearbeiten (außer von den StörenFRIEDEN), sondern mit Menschen zusammen sind. Was also für andere Behörden ausreichen mag, muss für die Schule größer gedacht werden. Finde ich persönlich. Siehst du das auch so?

Begeisterung als neuer Rahmen

Zugegeben ist Frieden für manche Gebiete dieser Welt ein Traumzustand. An sich ist Frieden also wünschenswert, genauso wie Gesundheit. Wir sind in der luxuriösen Situation, dass es uns nicht mehr ums Überleben geht. Wir können unsere Art zu leben selbst gestalten. Eine neue Möglichkeit beim Beispiel ‚Gesundheit‘ vs. ‚Krankheit‘ ist Vitalität. Darin ist beides enthalten – nie wieder krank zu sein, ist schließlich auch unrealistisch. Und zugleich bietet es einen größeren Rahmen, weil z.B. körperliche und geistige Fitness drin sein kann oder seelisches Wohlbefinden…

Wenn wir in Schulen mehr wollen, als die bloße Abwesenheit von Krieg, was könnte dann eine Lösung sein? Etwas, das Frieden und Krieg aufhebt, weil es ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Ich habe eine Idee: Schulbegeisterung! – Übertrieben? Unrealistisch? Naiv? Wie soll man das Kindern verkaufen, die gar nicht die Wahl haben, ob sie hingehen oder nicht?

Naja. Es gibt ja schon mehrere Aspekte in meinem Leben, bei denen ich eine gewisse Pflicht habe, sie zu erfüllen. Finde ich das dann automatisch doof? Wenn ich einen Gewinn davon habe oder einen Sinn darin sehe, erfülle ich Pflichten gerne. Auf die Schule übertragen: Wenn Kinder einen Gewinn von Schule haben oder einen Sinn darin sehen, gehen sie auch lieber hin. DAS liegt natürlich an der Gestaltung von Schule durch uns Erwachsene. Diesen Punkt können wir also beeinflussen.

Wie sähe eine Schule aus, in der Begeisterung statt Frieden herrscht?

So wie Schule heute meistens ist, wäre Schulbegeisterung wirklich zynisch. Wenn wir alles so lassen, wie es ist und uns einfach ein bisschen mehr Begeisterung auf die Fahnen schreiben und Tschakka rufen, dann lassen wir es lieber gleich. Wenn Schulbegeisterung jedoch eine Hintergrundfolie ist, vor der wir Schule neu entwerfen: Wie wäre das Ergebnis dann? Was wäre in diesem Rahmen möglich? Wie sähe ein Ort aus, an dem Kinder und Jugendliche gerne etwas für sich lernen? An dem LehrerInnen begeistert arbeiten? An dem Eltern ihre Kinder gerne lassen und sich selbst gerne einbringen?

Begeisterung lässt Raum für Neues und verschließt sich nicht davor. Im Gegenteil! Klar ist es ein Unterschied, ob sich eine Schule selbst die Veränderung vornimmt oder ob sie das tun muss, weil sich PolitikerInnen etwas überlegt haben. Doch ob nun Reformen von oben vorgegeben werden oder diese im Kleinen entstehen: Wenn wir begeistert sind, sind wir eher bereit, sie umzusetzen. In diesem Rahmen sind sowohl ruhige als auch unruhige Phasen möglich.

Welche Qualität ist dir wichtig für ein neues Schulleben?

Deine Ann-Marie

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